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Der Fragilitäts-Check: Wird Melden belohnt oder bestraft?

  • Autorenbild: 36consulting
    36consulting
  • 17. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Jemand in Ihrem Team meldet heute einen Fehler.

Was passiert als nächstes?


Die Antwort auf diese eine Frage sagt mehr über die Fehlerkultur einer Organisation aus als jede Befragung oder Leitbild-Analyse.

Die meisten Führungskräfte kennen ihre Antwort sofort: Sie hören den Überbringer, sie bestrafen ihn nicht. Und sie meinen das ehrlich.


Jedoch liegt zwischen der ehrlichen Antwort und der gelebten Realität in vielen Organisationen eine Lücke.

Führen Sie folgende Selbstdiagnose durch, und finden Sie heraus, wo Sie stehen.

Die Aussagen, denen Sie mehrheitlich zustimmen, zeigen, wie stark oder schwach die Lernfähigkeit Ihrer Organisation ausgeprägt ist – und wie groß der Handlungsbedarf ist.


Grün: Woran Sie erkennen, dass es gut läuft


Teams melden Fehler, bevor sie eskalieren müssen. Die Struktur macht Mut überflüssig. Nach jedem signifikanten Fehler folgt eine strukturierte Analyse. Das Ergebnis ist dokumentiert und zugänglich – als Eintrag in einem Lernregister, das bei der nächsten ähnlichen Situation aufgerufen werden kann.


Teams fragen regelmäßig nach, was sie aus der letzten Periode gelernt haben, weil der Rhythmus das vorsieht und weil sie erfahren haben, dass diese Gespräche etwas verändern. Taucht ein ähnlicher Fehler zum zweiten Mal auf, ist die erste Reaktion keine Verwunderung.


Die erste Frage lautet: Welche Systemlücke haben wir nach dem ersten Mal nicht geschlossen?


Gelb: Erste Warnsignale und woran Sie diese erkennen


Teams melden Fehler, aber die Analyse endet bei der Benennung der Beteiligten. Die erste und letzte Frage lautet „Wer war das?", nicht „Was hat das System nicht verhindert?". Retrospektiven finden statt, aber niemand öffnet die Protokolle wieder. Es fehlen ein Abgleich in der nächsten Sitzung und Verbindlichkeit. Das Format läuft, leistet aber nichts.


Die Bereitschaft, Fehler zu melden, hängt von der jeweiligen Führungskraft ab. In einem Bereich funktioniert es, im anderen nicht. Was von Person zu Person variiert, ist nicht skalierbar. „Das ist schon einmal passiert" fällt öfter als „Damals haben wir folgendes geändert." Ersteres ist Information, zweiteres wäre Lernen.


Rot: Woran Sie erkennen, dass akuter Handlungsbedarf besteht


Die Organisation erfährt von Fehlern erst, wenn sie nicht mehr zu verschweigen sind. Die Energie fließt in Schadensbegrenzung statt in Analyse.

Selten liegt das an der Führungskraft.

Meistens ist das ein Zeichen, dass die Struktur diese Logik produziert.


Wer keine Systemanalysemethode hat, fragt zwangsläufig nach einer Person.

Was fehlt, sind strukturelle Gefäße, die Fehlerwissen institutionell speichern.


Es gibt weder Retrospektiven, noch Lernprotokolle oder Lernregister.

Damit verschwindet das Wissen mit den Menschen, die beim Fehler waren.

Auch Fehler passieren weiterhin, doch Teams haben aufgehört, sie zu melden. Das geschieht, weil Melden in der Vergangenheit statt Verbesserung zu bringen, Aufmerksamkeit auf die falsche Person gelenkt hat. Es kommt im Team daher zu einer rationalen Anpassung an eine Struktur, die Offenheit nicht belohnt.


Ein nächster Schritt


Stellen Sie in der nächsten Teambesprechung eine einzige Frage:


Was haben wir in den letzten vier Wochen gelernt, das wir noch nicht gewusst haben?


Geben Sie der Frage Raum zu wirken und den Teilnehmer:innen Zeit zum Nachdenken. Kommt eine Antwort, notieren Sie diese und fragen Sie in vier Wochen nach, was sich verändert hat. Kommt Stille, wissen Sie auch wo Sie stehen.


Was beobachten Sie in Ihrer Organisation, und was ist Ihr nächster Schritt?

 
 
 

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